Mein Hund mein Schatten

Mein Hund, mein Schatten – wenn der Hund dir die Privatsphäre nimmt

Ja, ich habe einen Mops. Und ja, Möpse gehören zu den Hunderassen, die bekannt dafür sind, extrem anhänglich zu sein. Ich würde sogar sagen pervers anhänglich.

Wenn du einen Mops hast, bist du nie mehr alleine. Keine Sekunde des Tages. Nicht beim Essen, nicht im Bett und auch nicht auf dem Klo – so scheinbar die weit verbreitete Meinung der meisten stolzen Mopseltern und vermutlich auch derer anderer Hunderassen. Ich bin immer wieder entsetzt davon, wie viele Mopseltern felsenfest davon überzeugt sind, dass es absolut richtig ist, wenn der Hund ihnen auf Schritt und Tritt folgt – den ganzen Tag.

Erst kürzlich ließ ich in Facebook einen Post einer relativ frisch gebackenen Mops Mama, die schrieb, dass ihr Hund sie ständig verfolgt und ob das ok so ist bzw. was sie falsch macht. Während ihr also bereits nach wenigen Tagen in den Sinn kam, dass hier etwas falsch läuft, bot dieser Post ausreichend Stoff für die weit verbreiteten Träumer unter den Hundehaltern. Bis auf wenige Ausnahmen – und es gab jede Menge Kommentare – bestätigte man ihr „du hast absolut Alles richtig gemacht“, „du hast einen Mops, du bist nie wieder alleine“ und „dein Hund liebt dich über alles, lass es ihn auf diese Weise zeigen!“.

Während man das Verhalten des Hundes von fast allen Seiten bejubelte, gab es nur ein paar wenige, die die Diskussion mit Kopfschütteln und einer großen Portion Mitleid für die vielen Hunde, die Tag für Tag ständig unter Strom stehend ihren uneinsichtigen und doch so stolzen Frauchen und Herrschen wie ein Schatten folgen.

Warum dein Hund deine Privatsphäre akzeptieren muss

Ich bin bei Weitem kein Hundetrainer oder gar Hundepsychologe. Aber schon der gesunde Menschenverstand reicht aus, um zu merken, dass da etwas gewaltig schief läuft. Es ist weder die bedingungslose Liebe des Hundes, noch die natürliche, perverse Anhänglichkeit einiger Hunderassen, die den Hund dazu treibt, seinem Besitzer Schritt für Schritt hinterherzulaufen. Und auf gar keinen Fall kann ein solches Verhalten gut für den Hund sein!

1.      Hundemüde

Zuerst zum Offensichtlichen. Ein erwachsener Hund schläft 17 bis 20 Stunden am Tag. Wenn du also nicht zufällig der Inbegriff einer Couchpotato bist, der sowohl auf den Gang zum Kühlschrank als auch zum Klo verzichtet, dann kommt genau hier das erste Problem auf: Dein Hund kommt nicht ausreichend zur Ruhe. Kaum legt er sich hin, beginnt zu schlafen, bewegst du dich und seine volle Aufmerksamkeit ist wieder bei dir. Dass das auf Dauer unmöglich gesund für den Hund sein kann, liegt auf der Hand! Der Begriff „hundemüde“ bekommt da eine ganz andere Bedeutung.

2.      Angst oder Dominanz

Nun wage ich mich ein kleines Bisschen in Richtung Verhaltenspsychologie des Hundes.

Der Hund ist ein Rudeltier. Entsprechend wird er sich entweder unterordnen oder versuchen zu dominieren. Läuft dir dein Hund ständig hinterher, so kann dies ein Zeichen sein, dass er dich dominiert. Er traut dir quasi nicht zu, dass du für dich – und erstrecht nicht für ihn mit – sorgen kannst. Er kontrolliert jeden deiner Schritte.

Auch kann er deine Nähe aus Angst suchen. Auch Hunde können Trennungsängste haben. Es sollte also klar sein: Was häufig als bedingungslose Liebe interpretiert wird, ist vielmehr ein Kontroll- oder Angstverhalten, das dringend aus der Welt geschafft werden muss.

Es sollte also klar sein, dass es nicht normal und auch nicht gut ist, wenn dein Hund dir den ganzen Tag hinterherläuft. Für ihn ist das purer Stress und für dich auch. Natürlich kann es am Anfang schwierig sein, dem Hund klar zu machen, dass er deine Privatsphäre respektieren muss. Jedoch gibt es zahlreiche Übungen, die dir dabei helfen.

Die Natur des Mopses

Teil solcher Diskussionen ist immer wieder die Aussage:„Es ist halt die Natur des Mopses! Ein Mops lässt dich nie alleine!“. Hier möchte ich ganz klar wiedersprechen. Natürlich gibt es Hunderassen, die zu bestimmten Dingen neigen und beim Mops mag das die Anhänglichkeit sein. Aber: Es gibt auch Hunderassen, die dazu neigen, ohne Ende zu fressen. Auch der Mops tendiert dazu. Dennoch würde wohl so gut wie niemand seinem Hund unbegrenzt Futter zur Verfügung stellen, nur weil es eben seine Art ist zu fressen.

Ein anderes Beispiel ist das Spielen. Bei Shae merke ich, dass sie kein Ende kennt, wenn die richtigen Hunde in der Nähe sind. Auch bei Hitze könnte Sie stundenlang ohne Wasser herumtoben. Als verantwortungsvoller Hundehalter ist es meine Aufgabe einzuschätzen, wann mein Hund Ruhe benötigt und dafür zu sorgen, dass er sie bekommt. Niemand mit halbwegs gesundem Menschen verstand würde seinen Hund bis zur Erschöpfung spielen lassen. Bis zur Erschöpfung jeden Schritt zu verfolgen, Tag für Tag – was dauerhaft auch an die Substanz geht – das scheint für die meisten aber ok.

Vom Verfolgungswahn bis hin zur Trennungsangst

Ich habe einen Mops und auch ich habe die Erfahrung gemacht, wie pervers anhänglich Shae sein kann. Bei ihr geht es soweit, dass sie absolut nicht alleine bleiben kann. Und genau das fängt bei mir schon damit an, dass sie mir auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Wenn mein Hund nicht mal eine Sekunde auf 2 Meter Entfernung „alleine“ sein kann, wie soll sie das dann schaffen, wenn ich nicht im Raum oder im Haus bin?!

Egal wo ich mich in der Wohnung aufhielt, der kleine Mops war immer an meiner Seite. Um ehrlich zu sein habe ich mich nicht daran erfreut, sondern war vielmehr genervt. Das leise Klacken ihrer Krallen auf dem Parkett, sobald ich mich bewegte, war für mich eher wie in einem schlechten Horrorfilm. Ich liebe meinen Hund über alles, das heißt jedoch nicht, dass mir ein bisschen Privatsphäre nicht wichtig ist.

Heute sieht das anders aus. Sie ist tendenziell ein instabiler Hund und sehr ängstlich. Bei Besuch hängt sie mir also immer noch am Rockzipfel. Sind wir alleine zuhause, ist das jedoch schon lange nicht mehr so. Shae chillt auf der Couch oder in irgendeiner Ecke, sonnt sich auf der Terrasse, und interessiert sich einfach mal nicht für mich. Ihren Schlaf kostet sie also in der Regel in vollen Zügen aus und ich kann problemlos aufstehen oder den Raum verlassen, ohne dass sie aus ihrem Schlaf aufschreckt. Natürlich kommt es vor, dass sie den Kopf hebt, aber in der Regel verliert sie dann auch schon das Interesse.

Es gibt auch andere Momente, da verfolgt sie mich wieder mehr. Meist aber, weil sie bemerkt, dass irgendetwas anders ist, ich selbst vielleicht auch unruhiger bin und sie etwas verpassen könnte. Mir zeigt das jedoch, dass ich in solchen Fällen noch etwas mehr an uns arbeiten muss. Und hin und wieder ist die Situation dann nur aufzulösen, wenn ich sie wiederholt auf ihren Platz schicke, bis sie akzeptiert, dass sie jetzt dort hingehört. In extremen Fällen ist auch mal eine Ruhepause in der geschlossenen Box nötig.

Insgesamt ist aber auch das schon ein unglaublich wichtiger Erfolg für uns, da mein Hund starke Probleme mit dem Alleinsein hat und jedes bisschen Ruhe, dass sie zugewinnt, sobald wir eine Distanz zwischen uns bringen – und sei es nur von einem Raum zum nächsten – ist ein weiterer Schritt zum entspannten Alleine bleiben.

 

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