Baustelle Hund – a never ending story

Der Mops stürmt über eine Wiese, ein leiser Pfiff von mir, er spitzt die Ohren und ist sofort an Ort und Stelle, bereit, mir zu folgen. Ich laufe mit meinem Hund Seite an Seite durch die Stadt. Verbunden nur durch Liebe; eine Leine brauchen wir nicht. Wir betreten ein Restaurant. Mit einem leichten, kaum wahrnehmbaren Handzeichen mache ich Shae deutlich, sich unter den Tisch zu legen. Dort wartet Sie geduldig, bis es wieder los geht.

Genauso kitschig und verträumt romantisch habe ich mir das Leben mit Hund vorgestellt. Die Realität sieht etwas anders aus: Shae hat irgendwas gewittert und ist ihrer Fährte auf der Spur. Ich stehe schreiend, bittend und bettelnd im Wald. Rückruf?! Kann mein Hund, aber nicht jetzt. In der Stadt ist das Band zwischen uns dann irgendwie doch nicht nur aus Luft und Liebe. Und wagt sich ein anderer Hund unseren Weg zu kreuzen, dann mutiert das kleine Ding zum Terrormops und hängt keifend in der Leine. Während ich im Restaurant auf mein Essen warte, hat sich der Hund mit den Essensresten, die er unterm Nachbartisch gefunden hat, bereits den Bauch vollgeschlagen.

Natürlich war mir klar, dass Szenario 1 unglaublich viel harte Arbeit bedeutet. Ständiges Training mit dem Hund. Wie viel harte Arbeit in Szenario 2 bereits steckt, das hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können.

Von Sandkastenprojekten und Großbaustellen – Herausforderung Hund

Shae zog mit 10 Monaten bei mir ein und brachte eine ganze LKW Ladung an Baustellen mit sich. Baustellen, die ich erst nach und nach entdeckt habe und bei denen ich teilweise nicht weiß, ob wir sie jemals fertig stellen. Und gerade dann, wenn wir einer Sache in der Hundeerziehung Herr geworden sind, dann tut sich eine neue Baustelle auf. Der Berliner Flughafen und Stuttgart 21 zusammen erscheinen mir dagegen wie Sandkastenprojekte. Die Baustelle Hund ist eine „never ending story“.

Denn Fakt ist: Diese vierbeinige Baustelle ist mein Leben und es gibt nichts, das mich glücklicher macht!

Ich wollte gerade schreiben „weit entfernt von … und sie lebten glücklich…“. Aber halt, das wäre falsch. Denn Fakt ist, dass diese kleine, vierbeinige Baustelle mein ganzes Leben ist und es nichts gibt, das mich so glücklich macht, wie diese Fellnase, die sich auf der Couch an mich kuschelt.

Aber genau darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen. Es geht um die Baustellen, die unsere vierbeinigen Begleiter mit sich bringen. Dass sie uns unendlich glücklich machen, steht außer Frage.

Shae hat zwei große Baustellen:

  1. Sie hat unglaubliche Probleme mit dem Alleinbleiben.
  2. Als Angsthund reagiert Shae in scheinbar unproblematischen Situationen aggressiv.

Diese beiden Probleme sind für die meisten Menschen, die uns im Alltag begegnen, nicht sichtbar. Für sie ist Shae absolut souverän. Ein Hund, der selbstsicher durchs Leben geht.

Sie hört in den meisten Situationen gut – so lange ich einen klaren Kopf bewahre. Aber wehe, ich treffe den falschen Ton, reagiere falsch. Dann wird sie unsicher, ist nicht mehr zugänglich. Es gibt diese Situationen, da komme ich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr an meinen Hund ran. Und manchmal scheint es mir, das wäre der Mops immun gegen jegliche Form der Erziehung.

Baustelle Hund - Hundeerziehung

Gemeinsam gegen den Rest der Welt

Ich schreibe darüber, weil ich davon überzeugt bin, dass jeder Hund seine kleineren und größeren Baustellen mit sich bringt. Und dass jeder Hundehalter an der ein oder anderen Sache in Bezug auf die Hundeerziehung an seine Grenzen stößt.

Denn wir sind weder schwach noch unfähig. Wir tun alles für unsere vierbeinigen Gefährten.

Wir alle haben so unsere Momente, da wissen wir einfach nicht weiter. Das mag an und für sich keine große Sache sein, aber in dem Moment kann es die Welt bedeuten. Wir informieren uns über Hundeerziehung, aber was bei dem einen Hund wahre Wunder wirkt, trifft bei dem anderen auf taube Ohren. Dann kommen wir uns schlecht vor. Als können wir unserem Hund, seinen Bedürfnissen und der Verantwortung, die ein Tier mit sich bringt, nicht gerecht werden. Wir fühlen uns schwach und verzweifelt. Und genau für diese Momente schreibe ich diesen Beitrag. Denn wir sind weder schwach noch unfähig. Wir tun alles für unsere vierbeinigen Gefährten.

In solchen Momenten rufe ich mir in Erinnerung, was Shae und ich in den vergangenen 3 Jahren bereits gemeistert haben. Wie viele Fortschritte wir zusammen gemacht haben. Und genau dann weiß ich, dass wir vermutlich nie alle Baustellen beseitigen – denn Shae ist sehr kreativ im kreieren neuer Bauprojekte – aber dass wir jede kommende Herausforderung auf die ein oder andere Weise bewältigen werden. Natürlich bleibt es „a never ending story“, aber ganz sicher eine wunderschöne, Shae und ich gegen den Rest der Welt. Oder zumindest gegen die selbsternannten Hundetrainer ohne Hund, die genau wissen, wie ich meinen Hund zu erziehen habe.

Baustelle Hund - gemeinsam gegen den Rest der Welt

 

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